Da sich in diesem Jahr früh abzeichnete, dass sich für ausgedehnte Moped-Touren wohl keine passenden Gelegenheiten ergeben würden – manchmal hat das Universum eben andere Pläne –, freuten wir uns umso mehr, als Rüdiger und Barbara fragten, ob wir sie auf einer Deutschland-Runde begleiten möchten. Die Tour war für den 20. bis 30. Mai 2025 angesetzt und führte in einem großzügigen Bogen die Elbe hinunter, weiter durchs Allgäu und über die Schwäbische Alb, anschließend durchs Rhein-Main-Gebiet und schließlich über den Spessart und Harz zurück in heimische Gefilde.
[20.05.25]: Die Tour am ersten Tag ging westlich an der Elbe bis nach Tangermünde. Der Ort mit seinen etwas mehr als 10.000 Einwohnern ist durch die gut erhaltene Altstadt mit vielen Fachwerk- und Backsteinbauten sowie durch die gut erhaltene Burg Tangermünde und die Stadtbefestigung in Backsteinbauweise bekannt.




[21.05.25]: Am folgenden Morgen führte uns der Weg südwärts, hinein in die sanft ansteigenden Landschaften des Harzes. Unser Ziel war Quedlinburg, jene geschichtsträchtige Stadt im nordöstlichen Harzvorland, die uns auf Reisen gen Süden immer wieder wie ein vertrauter Wegpunkt empfängt.
Nach der Überquerung der Elbe mit der Fähre bei Rogätz hielten wir am Ringheiligtum Pömmelte, einem Ort, der tief in die Zeit der Jungsteinzeit zurückreicht. Die gewaltige Anlage mit ihrem rund 115 Meter messenden Durchmesser und dem inneren Kreisgraben von etwa 80 Metern öffnet ein Fenster in eine ferne Welt. Dieser Graben markierte einst einen Kultplatz aus dem späten 3. Jahrtausend vor Christus – ein Ort, den man nicht ohne Grund das „Klein-Stonehenge“ nennt, denn seine Ursprünge liegen in derselben Epoche wie jene berühmten Steinkreise auf den britischen Inseln.
Vom Aussichtsturm aus erschließt sich die Dimension und Bedeutung dieses Heiligtums besonders eindrucksvoll. Auch wenn wir heute eine Rekonstruktion betrachten, die auf archäologischen Erkenntnissen beruht, lässt sie doch erahnen, welch zentrale Rolle solche Kultstätten im Leben unserer Vorfahren gespielt haben.



Nach dieser geschichtlichen Auffrischung ging es aus der Magdeburger Börde nach Quedlinburg. Allerdings bremste uns noch ein Plattfuß am Hinterrad an Rüdigers Maschine uns etwas aus. Aber mit Profiwerkzeug und der Erfahrung diverser Reifenpannen war die Sache schnell vergessen, so dachten wir. Aber später mehr. Im Brauhaus Lüdde in Quedlinburg fanden wir dann unsere Bleibe. Nach einem Bummel durch die Altstadt ließen wir den Tag bei deftigen Speisen und einem gepflegten Bier ausklingen.



[22.05.25]: Am nächsten Tag führte uns die Route bei Nebra über die Unstrut, dem wasserreichsten Zufluss der Saale, weiter nach Apolda. Die Kreisstadt ist bekannt als Glockengießerstadt und, eher überraschend, die Stadt, in der die Hunderasse Dobermann gezüchtet wurde. Aber diese Tradition der Stadt galt nicht unser Interesse, sondern das Café Ella. Auf vergangenen Touren haben wir in dem liebenswerten Café eine heiße Tasse Kaffee mit sehr leckerem Kuchen gegönnt. Aber heute hatten wir kein Glück. Es war geschlossen und es sah eher so aus, dass das Café dauerhaft geschlossen bleibt. Dann musste eben eine kleine Bäckerei uns mit Kaffee versorgen.
Hinter Apolda führte uns die Route in Richtung der Saale, die wir dann bei Naschhausen 😉 das erste Mal überquerten. Bis zu unserem heutigen Zielort, der Stadt Hof an der Saale, kreuzten sich unsere Wege mit der Saale mehrmals. Die Saale gilt mit ihren 413 km als zweitlängster Nebenfluss der Elbe. Ihre Quelle liegt im Fichtelgebirge und bei Barby, etwas südlich von Magdeburg, mündet sie in die Elbe. Bei Blankenstein ging es auf dem Weg nach Hof ein letztes Mal über die Saale.
Der Bummel durch Hof hat uns nicht so recht überzeugt. Die Innenstadt ist in einem klassizistischen Stil gehalten und es fielen uns viele Baulücken und sichtbarer Leerstand auf. Vielleicht bedarf es einen zweiten Blick, damit die Stadt ihren Charme entwickeln kann.



[23.05.25]: Für heute war Nürnberg das Ziel unserer Tour. Zuerst ging es durchs Fichtelgebirge in Richtung Bayreuth. Wir fuhren durch Bayreuth und meinten einen Hauch der weltberühmten Richard-Wagner-Festspiele zu spüren. Mit diesem Spirit ging es entspannt durch die Fränkische Alp bis nach Nürnberg. Hier gab es natürlich auf der Burg und in der Altstadt genug zu erkunden. Die Spuren des Reichtums der Stadt im Spätmittelalter, als Nürnberg zu den größten und reichsten Städten des Heiligen Römischen Reiches zählte, sind noch heute nicht zu übersehen.
Und wenn man schon mal in der Stadt der Würstchen ist, dann ist der Gang ins Bratwurst Röslein, dem größten Bratwurst-Restaurant der Welt, obligatorisch. Und natürlich konnten wir Gäste aus vielen Teilen der Welt sehen. Essen und Trinken entsprach den Erwartungen, deftig und viel.






[24.05.25]: Von der Stadt der Bratwurst es ging zu unserem südlichsten Punkt, der Stadt Blaubeuren am Fuße der Schwäbischen Alb. Bekannt ist der Ort u.a. durch den Blautopf, eine Karstquelle, die durch ein weitläufiges Höhlensystem gespeist wird. Die austretende Wassermenge liegt bis zu 32.000 I/s. und mit einer Tiefe von 21 Metern ist sie eine der tiefsten Quellen Deutschlands. Aus der Quelle entspringt die Blau, die bei Ulm in die Donau mündet.
Unsere Route führte uns am Altmühlsee vorbei in die östlichen Ausläufer der Schwäbischen Alb. In nördlicher Richtung passierten wir Ulm und erreichten am Nachmittag die Stadt Blaubeuren. Die Straßenführung durch die Fränkische Alp und anschließend durch die Schwäbische Alp ist doch immer wieder ein Genuss. Angenehmes Kurvenprofil durch eine hügelige Landschaft mit weiten Blicken über die Landschaften des Alb-Donau-Kreises.
Nachdem wir im Hotel Ochsen eingecheckt hatten, ließen wir uns durch die verwinkelten Gassen der Altstadt treiben, bis der Weg uns zum Blautopf und weiter zum stillen Kloster Blaubeuren führte. Der Blautopf selbst schimmerte in einem so tiefen Blau, dass es wirkte, als öffne sich dort ein Tor in eine andere Welt — geheimnisvoll, grundlos und voller alter Geschichten.




[25.05.25]: Am nächsten Tag ließen wir die Mopeds stehen und machten eine Wanderung auf dem Blaubeurer Felsenstieg. Den Nachmittag ließen wir uns über einen Bauernmarkt am Kloster treiben. Viele Leckereien und interessantes Kunsthandwerk wurden angeboten. Die Suche nach einem Restaurant für unser Abendessen gestaltete sich etwas mühsam, da am Sonntag nicht nur unser Hotel-Restaurant geschlossen hatte, sondern doch mehr Lokalitäten hatten als wir dachten. Aber im Gasthof Zum Löwen gab es für uns noch gute und deftige Kost.
Ein Problem mit einem Moped zeichnete sich allerdings ab. Wie Rüdiger feststellte verlor sein Hinterreifen zunehmend an Druck. Die reparierte Stelle hielt leider nicht wie erhofft. Mit Unterstützung des Hotelwirts konnte eine Werkstatt ausfindet gemacht werden, die am nächsten Morgen den Reifen wechselte.
[26.05.25]: Mit neuem Reifen ging es heute auf Tour in Richtung Heimbuchenthal, einem kleinen Örtchen im Spessart. Zuerst kreuzten wir quer durch die Schwäbische Alb und ließen uns ein wenig durch die Landschaft treiben. Ab Schwäbisch Gmünd ging es nordwärts durch den Schwäbisch-Fränkischen Wald. Bei Sindringen querten wir die Kocher und wenig später bei Bieringen die Jagst. Beide Flüsse zählen mit der Enz zu den drei größten Zuflüssen des Neckars. Wir näherten uns langsam dem Spessart, dem größten zusammenhängende Gebiet aus Laubmischwäldern in Deutschland. Doch vorher galt es dem Main zu überwinden.

Häufig wird die Mainlinie als Referenzpunkt für die Trennung zwischen dem Norden und dem Süden Deutschlands betrachtet. Der Hintergrund liegt in der politisch-historisch Trennung im 19. Jahrhundert zwischen den Einflusssphären Preußens im Norden und Österreich im Süden innerhalb des Deutschen Bundes.
Wir überquerten den Main bei Bürgstadt und steuerten unsere Bleibe in Heimbuchenthal an. Der kleine Ort mit seinen gut 2.000 Einwohnern streckt sich im Tal der Elsava über eine Länge von 2,5 km. Unsere Unterkunft war der Landgasthof Zur Linde, den wir schon von anderen Touren kannten. Der Gasthof bietet rustikal Küche, solide Zimmer und ausreichend Parkplatzfläche für Mopeds.

[27.05.25]: Für heute stand ein Rundkurs durch den Spessart bis Bad Brückenau auf der Planung. Die Route führte uns bei Hasloch zurück an den Main. Wir folgten dem Flusslauf bis Gemünden am Main, verließen den Spessart, um in der südliche Rhön auf kleinen und schwungvollen Straßen in Bad Brückenau einen Halt einzulegen. Nach einem Bummel durch die Innenstadt und einer guten Tasse Kaffee ging es wieder zurück in die nördliche Ausläufer des Spessarts. Birgitt und ich legten noch einen kleinen Abstecher nach Aschaffenburg ein, da unsere Sprechanlage ausgefallen war und wir einen Ersatz haben wollten. Den Tag ließen wir in unserem Gasthof bei einer deftigen Mahlzeit ausklingen.
[28.05.25]: Der Morgen begrüßte uns mit einer kühlen und regnerischen Wetterlage. Also rein in die wetterfesten Plünnen und in nordwestlicher Richtung durch den Spessart bis hinter den Großraum Frankfurt. Das Fahren mit dem Moped durch Metropolregionen hat so seinen eigenen Reiz. Die Verkehrsdichte nimmt merklich zu, die Entfernungen der Orte sind im unteren einstelligen Kilometerbereich und die im Navi ausgesuchten Nebenstraßen führen zu einem Großteil immer durch Industriegebiete.
Unser Weg führte uns heute nach Wetzlar, und so empfanden wir es fast wie ein Geschenk, als sich die Straßen sanft durch den Taunus zogen. In weiten Bögen ging es hinauf, vorbei am Feldberg, der mit seinen 879 Metern wie ein stiller Wächter über dem Gebirge thront. Wir zogen östlich an ihm vorbei, während am Straßenrand immer wieder Schilder der „Deutschen Limes-Straße“ auftauchten – Hinweise auf jene uralte Grenzlinie, den Obergermanisch‑Raetischen Limes, der einst dem Rücken des Taunuskamms folgte und noch heute wie ein leiser Schatten der Geschichte durch die Landschaft zieht.
Unsere Unterkunft lag unweit der Lahn und um in die Altstadt zu kommen, bummelten wir ein Stückchen an der Lahn und passierten schließlich die Alte Lahnbrücke, um in den historischen Teil der Stadt zu kommen. Auffällig ist der Wetzlarer Dom, ein Wahrzeichen der Stadt, dessen Bau 1230 begonnen wurde und nach offizieller Sichtweise, bis heute noch nicht beendet wurde. Da Wetzlar auch die Leica-Stadt ist, durfte ein Foto am Eisenmarkt nicht fehlen und zwar an der Stelle, an der 1914 der Entwickler Oskar Barnack mit seiner ersten Kleinbildkamera ein Foto schoss. Unseren Stadtrundgang beendeten wir im Lokal Zum Kesselchen, deren Spezialität ein überaus leckeres Gulaschgericht ist.




[29.05.25]: Heute kannte unsere Route nur eine Richtung – immer nach Norden, mit einem leichten östlichen Drall. Von Wetzlar ging am nördlichen Rand des Vogelbergs vorbei ins Knüllgebirge, meist nur Knüll genannt. Zugegeben, es ist ein kleines Gebirge mit einer Höhe von 635 m, aber die Region ist dünn besiedelt, d.h. viel Straße und wenig Orte. Bei Kassel klinkten wir uns auf die A7 bis hinter Göttingen. Über Osterode ging es in den Westharz. Unsere Bleibe liegt in der ehemaligen freien Bergstadt Wildemann, die zu Clausthal-Zellerfeld gehört. Wildemann liegt tief eingeschnitten im Innerstetal, und wegen der Enge des Tales ist die Ortschaft sehr langgezogen. Es steht nur eine Häuserreihe rechts und links der Straße, auf der einen Seite begrenzt durch den Berg und auf der anderen Seite durch die Innerste. Der erste Bergbau in dem Tal geht zurück auf das 11. und 12. Jahrhundert. Der Ort Wildemann selbst wurde erst im Jahre 1529 von Bergleuten aus dem Erzgebirge gegründet, die den Auftrag hatten, den Bergbau im Harz in größerem Stil aufzunehmen. Heute wird der Ort oft als „Klein Tirol“ beschrieben durch seine Lage und der landwirtschaftlichen Tradition.
Das Restaurant im Hotel Rathaus entpuppte sich zu unserer Überraschung als ein qualitativ hochwertiges Restaurant mit diversen Auszeichnungen und Referenzen. Wir wurden von der Speisekarte nicht enttäuscht und empfanden den Abend als gelungenen Abschluss unserer gemeinsamen Tour.




[30.05.25]: Für heute stand nur noch die Rückfahrt in unser Zuhause an. Dafür folgten wir nordwärts dem Lauf der Innerste und passierten kurz vor Langelsheim die Innerstetalsperre. Danach schlängelte sich der Fluss durch das Harzvorland und bog bei Bad Salzgitter westwärts ab, um kurz vor Hannover-Laatzen in die Leine zu mündeten.

Bei einer Rast am Ellernbruchsee, westlich von Braunschweig, versteckte sich im dichten Buschwerk ein alter Dreiherrenstein – ein stiller Zeuge vergangener Zeiten. Diese historischen Grenzmarken, meist aus dem 17. und 18. Jahrhundert, erzählen von der politischen Zersplitterung des Heiligen Römischen Reiches und der damaligen vielfältigen Staatenlandschaften. Dieser Stein markiert die vergangene Grenze zwischen dem Landkreis Peine, der Stadt Braunschweig und der Stadt Salzgitter. Nach der Pause ging es durch die Lüneburger Heide in Richtung Heimat.
Auf dieser Reise, die uns über mehr als 2.200 Kilometer führte, offenbarte sich erneut, wie vielfältig und schön die Landschaften Deutschlands sind. Und sobald man die großen Bundesstraßen verlässt, öffnen sich immer wieder kleine, kurvenreiche Nebenwege – stille Pfade voller Überraschungen, die den Blick weiten und das Fahren zum Erlebnis machen.

