Berat – Stadt der tausend Fenster

Als wir aus nördlicher Richtung kommend in die Stadt kamen (sie liegt ca. 70 km südlich der Hauptstadt Tirana), war nichts von der historischen Stadt zu sehen. Sie wirkte wie eine Stadt, die noch mit den Folgen des Zusammenbruchs des Kommunismus in den 1990er Jahren zu kämpfen hat. Verfallene Industrieanlagen, hinfällige Gewerbezonen und marode Wohnanlagen hinterließen den Eindruck, dass die wirtschaftlichen Perspektiven der Region nicht berauschend sind. Einzig in der fruchtbaren Ebene des Flusses Osum, an dem Berat liegt, findet sich eine leistungsfähige Agrarwirtschaft.

Kommt man in den historischen Teil der Stadt zeigt sich ein freundliches und aufgeräumtes Stadtbild. Parkanlagen mit Promenade (dem Bulevardi Republika), mit jeder Menge Cafés, Bars und Restaurants prägen hier das Gesamtbild. Was fehlt sind mit Tinnef überquellende Souvenirläden, welche ich nun wirklich nicht vermisse 😁.

Berat kann auf eine über 2000-jährige Geschichte zurückblicken, die ich hier aber nicht aufrollen werde 😂. Für die heutigen Sehenswürdigkeiten der Stadt wird es erst ab dem Mittelalter interessant. Das Zentrum bildet das befestigte Burgviertel mit der Gipfelburg, ca. 200 m über der Stadt, das zu grossen Teilen aus dem 13. Jahrh. stammt. Dieses Viertel mit dem Namen Kala ist zu Teilen noch bewohnt und umfasst viele byzantinische Kirchen und osmanische Moscheen. Die Moscheen sind leider zerstört und viele der Kirchen sind verfallen, da unter dem Kommunismus strikter Atheismus „gepredigt“ wurde. Bemerkenswert sind die Reste der Roten Moschee, die 1417 erbaut wurde und damit eine der ältesten Moscheen des Landes ist. Da sich unterhalb des Burgviertels ein neuer Ort (der heutige historische Stadtteil Mangalem) entwickelte, mit eigenen Moscheen, verfiel die Rote Moschee ab dem 18. Jahrh.

Der Stadtteil Mangalem (hier befindet sich auch unser Hotel) entstand unter dem Einfluss der Osmanen und wurde zu Anfang nur von Muslimen bewohnt, die mit ihrer Bauweise dieses Quartier prägten. Die Gebäude stehen sehr dicht und die Kennzeichen der Häuser sind flache Giebeldächer und Fassaden mit großen Fenstern. Diese Perspektive verdankt die Stadt auch ihren Namen als „Stadt der tausend Fenster“ (siehe Titelbild).

In Mangalem finden sich auch eine Reihe von Bauten aus der omanischen Zeit, die heute noch genutzt werden Zu erwähnen ist die Bleimoschee (erbaut 1553, hat eine Bleikuppel), die Junggesellenmoschee (siehe gestern), die Königsmoschee (erbaut 1492), die Halveti-Tekke (Ursprung im 15. Jahrh., ein Zentrum des Sufi-Bruderschaft) und eine Karawanserei (aus dem 17. Jahrh.).

Stadtteil Gorica
Stadtteil Gorica

Gegenüber dem Stadtteil liegt das historische Viertel Gorica, ähnliche Architektur wie Mangalem. Verbunden waren die beiden Stadtteile zuerst nur über eine Holzbrücke. Erst 1780 wurde die heutige Steinbrücke „Ura e Goricës“ gebaut und ist heute ein Wahrzeichen der Stadt Berat.

Wenn nun der Eindruck entstanden ist, wir sind hier von Minaretten umzingelt, weit gefehlt. Direkt gegenüber der Bleimoschee findet sich die Kathedrale von Berat. Noch ein Wort zu den Nebenstraßen in den Wohnvierteln. Offen gestanden sind wir froh hier nicht mit unseren Mopeds durch rangieren zu müssen 🤪.

Die heutige Wanderung zur Bergfestung und das Gekraxel in dem Viertel Mangalem (die Gassen sind sehr schmal, steil und teilweise aufgerissen, da gerade Rohre in den Gassen verlegt werden) bei um die 35 Grad hat uns doch platt gemacht. Danach war nur noch chillen angesagt und den Flüssigkeitsverlust ausgleichen. Wobei ich das Gefühl hatte mehr auszuschwitzen als trinken zu können 😂.

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