Die Tour haben wir am 18.04.17 mit dem Verladen der Motorräder auf einen von Europcar gemieteten Transporter gestartet. Dazu haben wir uns kurz entschlossen, da in den nächsten Schnee und um Null Grad angesagt waren. Am nächsten Tag ging es dann nach Freiburg und am 20.04.17 starteten wir bei minus zwei Grad Richtung Südfrankreich.
In der ersten Woche sind 100 km südlich von Barcelona bis zur Costa Dorada gekommen. Die Straßen waren gut zu befahren, relativ wenig Verkehr und da wir mehr im Hinterland gefahren sind, auch kurvige Strecken. Eindrucksvoll war der Besuch des Klosters Santa Maria de Montserrat (siehe Beitrag).
Nach Katalonien ging es weiter durch die Region Valencia. Allerdings haben wir die Costa Blanca mit Orten wie Benidorm großzügig umfahren. Erst hinter Cartagena haben wir uns für einen längeren Abschnitt der Küste, der Costa de Almería, genährt. Auffällig sind in der Region die weit sichtbaren Gemüse- und Obstplantagen mit ihren Gewächshäusern aus Plastikplanen. Ganze Täler sind damit „zugepflastert“.
An der Costa de Almería ist der Abschnitt Cabo de Gata (Beitrag hier) schon bemerkenswerter Naturpark. Am Meer lassen sich sehr gut Lavaströme aus den vulkanischen Zeiten der Erdneuzeit (also vor rund 65 Mio. Jahren und jünger) beobachten. Mittlerweile sind wir in Andalusien angekommen und haben uns „unterhalb“ der Sierre Nevada an der Costa de Sol im Örtchen Castillo de Baños unser Zelt aufgeschlagen.
Ein Tagesausflug in die Sierra Nevada mit einer kleinen Wanderung am Ort Trevélez hatte schon seinen Reiz. Der Ort ist u.a. sehr beliebt aufgrund seiner Schinken, die in den Bodegas zu Dutzenden von der Decke hängen. Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass die Sierre Nevada natürlich eine Motorrad-Paradies ist. Guter Straßenbelag und Kurven ohne Ende. Schien auch bei den spanischen Mopedfahrer bekannt zu sein.
Von der Küste ging es nach Córdoba. Granada mit seiner Alhambra haben „rechts liegen“ lassen, da wir erst im November 2014 dort gewesen sind. Cordoba ist auf jeden Fall eine Stadt die beeindrucken kann. Historisch kann man sich hier richtig satt sehen, insbesondere aus der Blütezeit im 10./11. Jahrh., als Christen, Juden und Muslime friedlich zusammenleben (scheint wohl doch zu gehen) und Forschung, Wissenschaft und Architektur beeinflussten, gibt es an jeder Ecke in der Altstadt was zu sehen. Ohne Zweifel ist die Mezquita-Catedral ein Muss. Gilt sie doch als einer der größten Sakralbauwerke der Erde.
Übrigens der Campingplatz direkt in Córdoba hat seine Vorteile (direkt per Bus ins Zentrum) gehört aber als Stadtcamping nicht gerade zu den Highlights.
Unser nächstes Ziel war Ronda. Auf der Fahrt dort hin konnte der Tempomat seine Qualitäten ausspielen. Erst gegen Ende, als es durch die Höhenzüge um Setenil de Las Bodegas ging, wurden die Straßen etwas schwungvoller. Ronda selber ist bekannt durch das Felsplateau, auf dem die maurisch geprägte Altstadt steht. Die Stadt wird durch eine bis zu 100 m tiefe Schlucht, der Tajo de Ronda,
getrennt. Wahrzeichen ist die „Neue Brücke“, die Puente Nuevo, eine von drei Brücken über die Schlucht. Die Stadt ist ein Touristen-Magnet. Schon Anfang Mai war hier gefühlt Hochbetrieb. In der Hauptsaison ist wohl mehr kollektives Schieben durch die Straßen der Altstadt angesagt.
Weiter ging es Richtung Atlantikküste, ca. 30 km südlich von Cadiz. Die Fahrt durch die Sierra de Grazalema, westlich von Ronda, mit seinen „weißen Dörfern“, insbesondere Grazalema selbst, beeindruckten. Die Straßenführung der A-375 ließ das Bikerherz höher schlagen. Das fanden auch wohl auch viele spanische Biker, die sich der Kurvenhatz hingaben. Nach der Sierra de Grazalema wurden die Straßen doch sehr eben und die Landschaft eher eintönig. An der Küste, der Costa de la Luz, genossen wir einen Strandtag in Novo Sancti Petri und schauten uns natürlich das Kap Trafalgar an, das mit der berühmten Seeschlacht von Admiral Nelson am 21. Oktober 1805 in die Geschichte der Briten einging. Mit einem Abstecher über Sevilla (hat schon eindrucksvolle Bauten) ging es zügig in die Algarve.
Die portugisische Küstenstraße hatte so ihre Höhepunkte, die sich aber mehr durch Baustellen, interessanter Verkehrsführung und doch eigenwilliger Verkehrs-regelung durch die lokale Polizei auszeichnete. Bei Lagos fanden wir einen gut ausgestatteten Campingplatz. Hier entschieden wir uns für eine Hütte (war ein Schapper-Angebot). War auch gut so, denn der Regen konnte
doch sehr kräftig sein. Natürlich ging es zum Kap Saint-Vincent, die Südwestspitze Europas, dann an die Westküste, mit seinen traumhaften Buchten und Stränden und nicht zu vergessen, das Markenzeichen der Algarve, der Küste „Ponta da Piedade“ bei Lagos.
Mit der Algarve hatten wir quasi unser Bergfest erreicht, war die Zeit und auch die Strecke anging. In den nächsten Tagen fuhren wir in nord-östlicher Richtung durch das Hinterland Portugals. Mitunter durch kleinste Straßen und Orte, bei denen wir das Gefühl hatten, seit Jahren die ersten Motorradfahrer zu sein. Bei unseren Kaffeepausen waren die Menschen äußerst freundlich und immer an einem Gespräch interessiert, auch wenn in einem radebrechenden Englisch passierte. Verglichen mit den Orten an der Algarve zeigten sich hier eher die kargen Seiten in Portugal. Ca. 100 km nördlich von Lissabon kamen wir wieder an die Atlantikküste. Hier hatten aber die Badeorte nicht den Flair verträumter Fischerorte, sondern wirkten eher einfach und schlicht. Zu sehen waren hier nur Portugiesen, selbst die überall zu findenden Niederländer fehlten hier.
Unser nächster Stopp war Porto. Ein Bummel durch die Stadt zeigte viel vom Reichtum der Stadt aus vergangenen Jahrhunderten. Heute vermutlich mehr ein Fluch, da die Instandhaltung der sehenswürdigen Altstadt wohl Unsummen verschlingt, auch wenn sie Touristen anlockt.
Dem Douro folgend, dem Portweinfluß schlechthin, ging es auf der N-222 ostwärts. Hier ist es empfehlenswert der Schilderung „Rota do Românico“ zu folgen.
Die Straße ist natürlich traumhaft, von der Aussicht und den Kurven. Wenn man in der Gegend ist, sollte diese Strecke auf der Tourliste stehen. Wir schwenkten auf Höhe von Lamego südwärts in Richtung der Serra da Estrella. Übrigens überrascht Lamego mit einer spannenden Stadtarchitektur und Straßenführung. Zweimal umrundeten wir die zentrale Promenade um einen Ausgang zu finden. Die Serra da Estrella ist natürlich ein Motorradparadies schlechthin. Tolle Straßen, eindrucksvolle Landschaften und fast keinen Verkehr, aber recht frisch (Mitte Mai). Auf dem Gipfel (1993 m) gingen die Temperaturen bei eisigem Sturm deutlich in den einstelligen Bereich. Vielleicht weil die Gegend das einzige Skigebiet Portugals ist.
Nach den Höhen ging es Richtung spanischer Grenze und von dort nach Salamanca. Nach der Serra da Estrella wurde die Landschaft einfach nur platt und die Straßen folgten einem Lineal. In Salamanca ist auf dem „Plaza Mayor“ eine Tasse Kaffee Pflicht. Sehen und gesehen werden ist angesagt. Daneben gibt es noch jede Menge an Sehenswürdigkeiten aus der Geschichte Salamancas.
Unser nächstes Ziel war Santiago de Compostela. Von Salamanca ging es nordwärts, bei Zamora westwärts in die Ausläufer des Kantabrischen Gebirges. Bis zu den Ausläufern des Gebirges war die Landschaft wieder nur platt und die Straßen nur gerade. In dem Gebirge fing es aber an Freude zu machen. Kleine Straßen
mit viel Kurven und noch mehr Landschaft. In Pedrafita do Cebreiro kreuzten wir den Jacobsweg. Viele Pilger zu Fuß oder auf dem Rad. Das ging dann bis Santiago de Compostela auch weiter so. Auf der LU-633 überquert man den Pass „Alto de San Roque“, bekannt durch sein Pilger-Denkmal. Sehr schöne Strecke. Abends bummelten wir noch durch Santiago de Compostela. Viel nette Lokale und noch mehr Pilger. Die berühmte Kathedrale war eingerüstet, konnte ihre Schönheit nur bedingt ausspielen. Diese Erfahrung machten wir auch bei vielen anderen Sehenswürdigkeiten. Geschätzt war jede zweite Sehenswürdigkeit eingerüstet, wurde renoviert oder gesperrt aufgrund geschlossener Gesellschaft.
Nächstes Ziel war das Ende des Jacobswegs, das Cape Finisterre. Dort soll jeder Pilger seine zerschlissene Kleidung verbrennen, um symbolisch ein neues Leben zu beginnen. Interessant dabei ist ein großes Verbotsschild, hier bitte nichts zu verbrennen.
Von diesem historischen Ort ging es weiter nord-westlich zum Kap Vilán, auf dem sich einer der ältesten Leuchttürme Spaniens befindet. Die Küste Galicien bot immer wieder eindrucksvolle Ausblicke auf eine schroffe, zerklüftete Küste. Bei La Coruña schlugen wir unser Lager auf. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die kühlen Temperaturen der Nacht haben Zelt und Motorräder mit einem Tau belegt, der einem starken Regen alle Ehre machte. Weiter ging es an die Costa Verde zum
nördlichsten Punkt Spaniens, dem Kap „Punta de la Estaca de Bares“. Die Straßen schlängelten sich durch hügelige Landschaft, so dass es viel Spaß brachte hier lang zu wedeln. Am Kap wehte ein spürbares Lüftchen, einzelne Böen konnten einem schon aus dem Gleichgewicht bringen. Die karge Landschaft, immer wieder durchbrochen von Flächen voller Ginster, wird in Erinnerung bleiben.
An der Küste der Costa Verde ging weiter ostwärts bis zum „Praia das Catedrais“, ca. 10 km vor Ribadeo. Hier ist ein einmaliges Naturkunstwerk entstanden, welches erst bei Ebbe seine ganze Schönheit entfaltet. Es macht schon Sinn einmal auf den Tidenkalender zu schauen.
Bei Ribadeo überspannte die „Puente de los Santos“, eine 600 m Brücke einen Meeresarm, der die Grenze zwischen Galizien und Asturien bildet. Unser Ziel war Luarca, ein Fischerort an der Costa Verde. Der Ort lädt zum Bummeln ein und (gefühlt) an jeder findet sich ein Fischrestaurant. Zum empfehlen ist aber der Campingplatz Camping Los Cantiles, etwas außerhalb von Luarca, aber mit seiner Lage an der Steilküste bietet er einen wunderschönen Ausblick, inklusive toller Sonnenuntergänge.
Heute ging es durch das Kantabrischen Gebirges in Richtung Picos de Europa, dem wohl meistbesuchten Nationalpark Spaniens. Landschaften und Straßen beeindrucken ohne Ende. Allerdings zeigten sich zum Ende dann doch Schwächen im spanischen Straßenbau, die Straßen wurden schmaler, immer holbriger, waren angefräst mit
Spurrillen. Am nächsten Tag wollten wir einen Straßentunnel der besonderen Art finden. Es geht um die Höhle La Cuevona bei Cuevas, durch
die eine Straße führt. Eine Tropfsteinhöhle als Tunnel hat man nicht alle Tage auf seiner Strecke.
Unser Tour heute ging durch den Picos de Europa. Die Landschaft überrascht immer wieder und es wird auch klar, warum die Gegend bei den Wandersleuten eine beliebte Ecke ist. Allerdings überzeugte uns die Qualität der Straßen nicht so recht: Schlaglöcher, Spurrillen, Fräßkanten, Teerflicken, Streusplitt und Nässe, alles Dinge die man als Fahrer eines Einspurfahrzeugs nicht so mag. Allerdings änderte dies sich schlagartig mit Erreichen der Provinzgrenze Kantrabriens. Die hatten es mit dem Straßenbau besser drauf. Am Ende unseres großen Schlenkers durch die Picos waren wir wieder an der Küste Nordspaniens. Einige Kilometer östlich hinter dem Ort San Vicente de la Barquera, einem sehr malerischen Fischerdorf an der „Costa de Cantabria“, haben wir einen Platz gefunden. Eigentlich nur für Wohnmobile und Caravans, aber wir mit unserem kleinen Zelt passten da noch zwischen.
Auf dem Weg nach Santander haben wir einen Halt bei der Höhle von Altamira eingelegt. Zwar ist die Höhle nicht mehr zu besichtigen, aber das Museum mit den originalgetreuen Nachbildungen der Malereien und den informativen Beschreibungen und Präsentationen bringt einem das Leben unserer Altvorderen schon sehr plastisch nahe. In Santander bummelten wir rund um die Kathedrale durch die Straßen. Eine lebendige und moderne Stadt, bei der es Spaß machte
in einem Straßencafé bei einem Cappuccino die Menschen zu beobachten.
Unser Tag endete 30 km vor Bilbao auf einem Campingplatz, mit Blick direkt auf die Bucht von Bilbao. In den Abendstunden wurde uns durch ein Gewitter auf dem Meer noch eine „Lightshow“ geboten. Am nächsten Tag ging es durch Bilbao in die westlichen Ausläufer der Pyrenäen. In Bilbao leisten wir uns noch einen
Halt am Guggenheim-Museum. Ist schon bemerkenswert wie ein Gebäude, das selbst ein modernes Kunstwerk ist, aus einer sterbenden Industriestadt eine
Kulturmetropole machte.
Durch die westlichen Pyrenäen, es ist immer wieder ein Genuss den kleinen Straßen zu folgen, ging es in die Ebene Richtung Arcachon. In der Nähe von Biscarrosse verweilten wir mehrere Tage, da wir versuchten einen neuen Hinterreifen zu bekommen. Stellte sich doch als größeres Problem heraus, so dass wir uns entschlossen weiter zu fahren. Im Périgord an der Vézère (Dordogne), nahe Les Eyzies, machten wir noch einmal einen Halt. Der Reifenhändler in Freiburg,
der uns kurzfristig einen neuen Satz Reifen beschaffen konnte (nochmal Dank an MB Reifenservice), öffnete durch das Pfingstwochenende erst am 6. Juni. Daher schien uns das Périgord die richtige Gegend für einen Aufenthalt zu sei. Ist schon eine schöne Gegend. Kein Wunder das sich in der Gegend zu prähistorischen Zeit auch schon die Neandertaler aufhielten. Von der Heimat unserer rustikalen Vorfahren ging es flott nach Freiburg und mit neuen Reifen noch flotter nach Hamburg.
Wir waren 48 Tage (19.04. – 06.06.17) unterwegs und legten 10.200 km zurück. Bis auf einen Schwächeanfall meiner Batterie (vermutlich zuviel externe Verbraucher: iPhone, iPad, …) haben die XRs problemlos funktioniert.











