Welche Eindrücke bleiben – Fazit der Balkan-Griechenland-Reise

Was erst einmal von der Reise bleibt sind ein paar Fakten:

  • rund 10.500 km gefahren
  • 73 Tage (25.04. – 06.07.2022) unterwegs
  • diesmal keine Reifenpanne, dafür zweimal Lichtmaschine kaputt und ein Kupplungszug
  • fast 2.500 Fotos aufgenommen
  • 22 Nächte in Hotels, einmal Nachtfähre und 50 Nächte auf Campingplätzen

Hier findet sich der Reisetrack in Google Maps.

Bei den Eindrücken der Reise, die einem im Kopf bleiben oder die tiefe Emotionen ausgelöst haben, ist es schon etwas schwieriger. Da ist zum Beispiel die überaus herzliche Begrüßung auf einem Campingplatz in Peshkopi, im Nordosten Albaniens. Die Hausherrin begrüßte uns mit Kaffee, Saft und einem Schnaps. Wobei Campingplatz auch etwas hoch gegriffen ist. Es war mehr ein Obstgarten mit einer kleinen überdachten Sitzecke, in der von der Hausherrin ein schmackhaftes Abendessen serviert wurde. Zu dieser Freundlichkeit gehört auch die Hilfsbereitschaft uns mit unseren Lima/Batterieproblem zu helfen (siehe hier).

Veras Frühstück
Reichhaltiges Frühstück in Montenegros Norden

Wie nahrhaft und umfangreich lokale Küche sein kann, konnten wir unserem Apartment in Žabljak, im Nordosten von Montenegro, erfahren. So tischte uns Vera, unsere Hausherrin, zum Frühstück “wuchtige” Teigtaschen auf, die sie in der Frühe frisch zubereitet hat (siehe hier). Das Ganze wurde begleitet von einem nicht enden wollenden Redeschwall, was wir uns den unbedingt anzusehen haben, inklusive Videos auf ihrem Handy der must-see-Sehenswürdigkeiten. Oder der Kassierer an der Drachenhöhle in Kastoria (Griechenland), der extra für uns die deutsche Sprachführung auflegte und hinter uns die Tür schloss, damit wir alleine den Zauber der Höhle genießen konnten.

Es sind diese kleinen Geschichten und noch viele mehr, die die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen widerspiegelt, gerade in Montenegro und Albanien, die uns so beeindruckt haben. In diesen beiden Ländern ist die spürbare Ausrichtung gen EU unübersehbar. Wenn auf einem Bauernmarkt im Süden Albaniens uns eine ältere Marktfrau in gebrochenem Englisch die Vorteile ihrer Handarbeit darlegt, dann hinterlässt das einen Eindruck, insbesondere wenn wir z.B. an französische Campingplätze denken, an deren Rezeption kein Wort Englisch gesprochen wird. Auch wenn es in der Regel “touristische Begegnungen” waren (Hotel, Campingplatz, Restaurant, Bar, usw.), haben wir den Eindruck gewonnen, die Menschen zeigten offenes Interesse an einem. Es wurde über Familie, Reiseerfahrungen und auch mal über Politik gesprochen. Und eine der wichtigsten Fragen war immer “Gefällt dir unser Land?”.

Natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein. Die “freie” Marktwirtschaft kennt auch hier Verlierer und an den Badeküsten Albaniens und Montenegro sieht man jede Menge Bausünden des unkontrollierten Tourismusbooms. Und abseits der touristischen Sehenswürdigkeiten finden sich in allen Ländern des Balkans (durch die wir gekommen sind) und Griechenlands (hier etwas weniger), verfallene und entvölkerte Orte, marode Verkehrs-Infrastruktur und in den Städten heruntergekommene Wohnviertel. Die Landflucht ist gegenwärtig und hinterlässt in den Dörfern leere Häuser, die dem Verfall preis gegeben sind. Die Menschen zieht es in die Städte, die Arbeit bieten und Aussicht auf ein wenig mehr Lebensqualität.

Während in den drei Ländern (Albanien, Montenegro, Griechenland) eine wirtschaftliche Entwicklung überall sichtbar ist, z.B. durch Wohnungs- und Straßenbau, wirkt Bosnien-Herzegowina wie in einem Status quo. Zwar hatten wir nur den Abstecher nach Mostar, aber hier sind noch immer die tiefen Spuren des Bosnienkrieges (1991 – 1995, als Teil des Jugoslawienkrieges 1991 – 2001) unübersehbar. Und bis auf ein wenig Tourismus in Mostar scheint sich hier nichts so richtig zu entwickeln.

Was aber allen Ländern gemein ist, ist die beeindruckende Landschaft. Da ist zum einen der Kontrast zwischen der Küste mit feinen Sandstränden und malerischen Meeresbuchten sowie einer spektakulären Hügel- und Gebirgslandschaft im Hinterland. Und zum anderen die sehr dünne Besiedlung (so leben in Griechenland 78 Einw./qkm, in Deutschland 233 Einw./qkm) in den ländlichen Regionen und damit eine sehr geringe Verkehrsdichte, die ein ruhiges und entspanntes Fahren durch Berg und Tal einmalig machen.

Aber was ist eine Reise in diese Region ohne die Geschichte der Antike. In Griechenland ist es quasi unumgänglich der Antike zu begegnen, da sich an jeder Ecke antike Bauwerke oder Ruinenfelder finden. Orte wie Delphi oder Olympia sind da nur die Highlights, an denen man nicht vorbei kommt. Zusammen mit den kulturellen Errungenschaften des antiken Griechenlands lassen einen die Eindrücke doch manchmal nachdenklich werden.

Dagegen verblasst ein wenig die Geschichte des Balkans, die nicht minder interessante Sehenswürdigkeiten hat. Es wird ein wenig verständlicher, warum das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens so zersplittert ist zwischen den unterschiedlichsten Ethnien, Religionen und politischen Entwicklungen. Von der Antike bis in die Neuzeit tummelten sich in der Region verschiedene Herrscher, ob Griechen, Römer, Byzantiner, Osmanen, Venezier, die Österreichisch-Ungarische Monarchie und zu guter Letzt die Sowjetunion, die bei den Völkern der Länder ihre Spuren hinterließen.

Aber eine Sache bleibt besonders in Erinnerung. Griechenland ist deutlich bergiger als wir es uns vorgestellt haben. Für’s Mopedfahren war es sehr schön , da es mitunter keine 500 Meter weit ging, ohne eine Kurve oder schwungvolle Umfahrung eines Hügels. Das Bummeln durch Orte oder Sehenswürdigkeiten gestaltete sich aber bei über 30 Grad durch das Auf und Ab in den Gassen als schweißtreibende Angelegenheit.

Defekte Lima die 2.
Defekte Lima die 2.

Und noch ein Nachtrag zu meiner XR. Nach knapp 3 Wochen wurde sie in Lasses Werkstatt durch den ADAC angeliefert. Die Analyse ergab wieder eine defekte Lichtmaschine. Da hatte die hand-gewickelte Lima aus Thessaloniki wohl doch ihre Schwächen. Jetzt ist alles wieder neu und mein Moped schnurrt, naja klappert schon ein wenig lauter, wieder vor sich hin. Auch den Kupplungszug an Birgitts Maschine haben wir ausgetauscht. Mal schauen ob der auch 100.000 km schafft 😉.

Reisen ist ein guter Weg Geld auszugeben

und trotzdem reicher zu werden

Irgendwo mal gelesen
Wein am Strand
In diesem Sinne …

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